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Nachruf Prof. Dr. Eberhard Kaniuth

Die Paderborner Mathematiker und mit ihnen die Universität Paderborn betrauern den Tod von Eberhard Kaniuth, dem es nicht mehr vergönnt war das 80te Lebensjahr im November dieses Jahres zu vollenden.

Nach Studium der Mathematik an der Universität Münster, welches er 1967 mit der Promotion abschloss, folgte Kaniuth 1970 seinem Lehrer Thoma an die TU München, an welcher er 1971 habilitierte und 1973 seine erste Professur erhielt. Es gelang im Jahre 1977 Kaniuth für eine ordentliche Professur für die seinerzeitige Gesamthochschule Paderborn zu berufen. Er zählt damit zur Gründergeneration der Paderborner Mathematik und hat der Paderborner Mathematik mit zu einem fliegenden Start verholfen.

Kaniuths Forschungsgebiet, die Harmonische Analyse, ist eine Synthese aus den besten Bestandteilen von Analysis und Algebra und bildet daher ein weitgefasstes Arbeitsgebiet mit teils spektakulären Anwendungen. Kaniuth verfasste 115 Publikationen, darunter zwei Bücher. Seine Zeitschriftenaufsätze sind durchweg in international hoch angesehenen Journalen erschienen. Die letzte seiner Arbeiten wurde noch in diesem Jahr veröffentlicht.
Kaniuth war mit seinem umfassenden mathematischen Hintergrund zudem ein begnadeter und erfolgreicher akademischer Lehrer, der ein breites Lehrangebot authentisch vertreten konnte und dies mit großem Engagement auch tat.
Kaniuth hielt nichts von modischen Trends, Lehrveranstaltungen durch Beschränkung auf vermeintlich leicht zu lernende Teile besser verdaulich zu machen. Der Erfolg gibt ihm recht. Trotz hoher Anforderungen war er ein ungemein beliebter akademischer Lehrer. Dafür war er für seine Studenten auch immer da! Ungezählte Diplomanden und Lehramtskandidaten hat er auf diese Weise erfolgreich betreut.

Auch Kaniuths Ausbildungserfolge von Doktoranden sind außergewöhnlich. Sein erster Doktorand, noch 1973 an der TU München, ist Wilfred Hauenschild, später Professor der Paderborner Informatik. Sein erster Paderborner Promovend in 1983, Bachir Bekka, ist heute Professor an der Université de Rennes (Frankreich). Kaniuths letzte Doktorandin in Paderborn, Gitta Kutyniok erhielt ihren Doktorgrad im Jahre 2000, drei Jahre vor Kaniuths Emeritierung. Sie erhielt Professuren, zunächst in Osnabrück, danach an der TU Berlin. Neben den schon genannten, sind von seinen insgesamt 12 Doktoranden noch zwei weitere als Professoren tätig (TU München und U Münster).

Kaniuth war Dekan des Fachbereichs Mathematik-Informatik von 1983 bis 1985. Im Fachbereichsrat und vielen Berufungskommissionen war er ein aktives und einflussreiches Mitglied. Die Arbeit in sonstigen Universitätsgremien liebte er weniger. Dafür war sein Einsatz innerhalb des Faches umso beachtlicher. Seit Mitte der 90er Jahre bis kurz vor seinem Tod zeichnete er mehr als zwanzig Jahre für die Lehrveranstaltungsplanung des Faches (Vorlesungsplanung und Einteilung der Übungsgruppen) verantwortlich. Lehrveranstaltungen, für welche sich kein anderer Kollege erwärmen konnte, etwa bei Serviceveranstaltungen für andere Fachrichtungen, übernahm er regelmäßig.

Nach seiner Emeritierung in 2003 startete eine Periode ungeahnter wissenschaftlicher Aktivität. Er hatte nun Zeit, seine vielfältigen internationalen Kontakte stärker zu pflegen, zudem veröffentlichte Kaniuth die beachtliche Zahl von 40 Zeitschriftenartikeln und ferner 2 Bücher, das erste ein Lehrbuch über Banachalgebren im Springer-Verlag, das zweite eine Monographie über induzierte Darstellungen zusammen mit Keith Taylor bei Cambridge University Press. Kaniuth war bis zu seinem Tod Mitglied des Planungsteams für die Lehrveranstaltungen des Instituts. Mit großer Selbstverständlichkeit bot er weiterhin regelmäßig Lehrveranstaltungen an, zuletzt über Differentialgeometrie im vergangenen Wintersemester.

Sein Tod reißt eine schmerzliche Lücke. Wir werden ihn sehr vermissen.

W. Hauenschild, K. Kiyek, H. Lenzing

Die Universität der Informationsgesellschaft