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Glasfasern aus der Optoelektronik in der Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik, Foto: Universität Paderborn

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Glasfasern aus der Optoelektronik in der Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik, Foto: Universität Paderborn

| Luca Jurczyk

Eine Computer Science Studentin aus Indien über Willkommen sein, kulturelle Unterschiede und deutsche Krankenhäuser

Apoorva Ravishankar kam Ende März aus Indien nach Paderborn, um hier ihren Master in Computer Science zu machen. Sie nahm bereits an der Welcome Week teil und war schon damals begeistert von Paderborn (nachzulesen hier). Jetzt, knapp drei Monate später, erzählt sie von ihren bisherigen Eindrücken und Erfahrungen in Paderborn und die großen Unterschiede zu ihrer Heimat Indien.

Du bist jetzt seit März in Deutschland. Wie geht es dir soweit hier?

Ich denke, es gab sowohl Höhen als auch Tiefen. Als ich nach Deutschland kam, hatte ich keine Freunde. Ich bekam Hilfe vom AStA und anderen studentischen Organisationen, um eine Wohnung zu finden. Dann habe ich Tag für Tag neue Leute kennen gelernt: Jetzt habe ich viele internationale Freunde, zum Beispiel aus Kuba, Russland und auch einige deutsche Freunde. Das beste ist, dass ich auch mit Deutschen außerhalb der Uni zu tun habe: Die Leute in Paderborn helfen mir wirklich viel, laden mich zu sich nach Hause ein, das ist so nett! Ich habe hier also schon gemischte Erfahrungen gemacht: Anfänglich war es schon hart, aber ich wurde gut aufgenommen in Paderborn.

Was ist ganz anders in Deutschland, verglichen mit Indien?

Was sich ganz klar in Paderborn abhebt, sind die super freundlichen Menschen! Jeden Morgen werde ich gegrüßt, wenn ich zum Bus gehe und man wünscht mir einen schönen Tag. In Indien wirst du nur gut behandelt, wenn die Leute dich kennen – wenn du ihnen fremd bist, ignorieren sie sich. Hier ist man so offen und freundlich und obwohl ich eine internationale Studentin bin, werde ich nicht anders behandelt. Es wird auch sehr begrüßt, dass ich versuche, Deutsch zu lernen. Ich habe begonnen, die Sprache zu lernen, weil ich mit den Menschen hier viel sprechen und sie verstehen möchte. Die Deutschen sind so offenherzig – nicht nur in Paderborn, denn ich habe schon einige Städte in Deutschland bereist: Düsseldorf, Berlin, Dortmund. Überall schätzen die Leute, dass ich versuche, Deutsch zu lernen. Das ist gegenüber Indien ein großer Pluspunkt!

Auch das Essen ist sehr unterschiedlich: Ich habe schon verschiedenes Essen in Deutschland probiert, aber das meiste entspricht nicht so meinem Geschmack. Was auch sehr anders ist, sind die Krankenhäuser und Ärzte, die sind so gut! Ich musste eine Woche lang ins Krankenhaus und alle waren dort so gut zu mir! In dieser Zeit habe ich mit unterschiedlichen älteren Damen zusammen auf einem Zimmer gelegen und jede hat mich behandelt wie ihre eigene Enkeltochter! Sie haben alles mit mir geteilt, was sie von ihren Familien geschenkt bekommen haben, weil sie wussten, dass meine Familie nicht bei mir sein kann. Als ich operiert wurde, besuchte mich dann mein Bruder und brachte mir Geschenke aus Indien mit, die ich dann wiederum mit den Damen teilte. Dieses Verständnis von Menschlichkeit ist so schön! Ich weiß ja nicht, wie es in anderen Teilen von Deutschland aussieht, aber in Paderborn sind alle „Großmütter“ wirklich freundlich!

Noch mal zum Thema Essen: Magst du deutsches Essen? Gehst du in die Mensa?

Ich mag die Desserts in der Mensa, die sind echt lecker! In Indien essen wir vor allem scharfes Essen, hier habe ich mich sehr mit Kartoffeln angefreundet – die esse ich mindestens drei Mal die Woche! (lacht) Also, ich gewöhne mich hier schon an das Essen und das Wetter.

Wie bleibst du mit deiner Familie in Kontakt?

Das ist witzig. Wirklich im Krankenhaus fragte mich, ob ich Heimweh habe und jedes Mal verneinte ich. Ich telefoniere mindestens ein Mal die Woche mit meiner Familie für eine Stunde – habe ich vermisse sie nicht so schrecklich.

Jetzt mal zu deinem Studium: Wie kommst du zurecht? Ist es sehr stressig?

Ich habe nur drei Kurse gewählt, obwohl ich bis zu sieben hätte nehmen können. Nebenbei bin ich noch beim UPB Racing Team, dort sind die Menschen auch so freundlich! Zusammen entwickeln wir ein fahrerloses Auto, was ich mir für mein Studium anrechnen lassen kann. Ich habe also eine Balance zwischen meinen Lehrveranstaltungen und dem UPB Racing Team: Ich habe nur Kurse gewählt, die dazu passen!

Gibt es einen Professor, den du am besten findest?

Ja! Ich hatte viel mit Prof. Engels zu tun, welcher mir viel geholfen hat. Als ich im Krankenhaus war, habe ich gefragt, ob ich meine Studienleistung auch später abgeben kann, da war er sehr entgegenkommend! Glücklicherweise habe ich es sogar noch rechtzeitig geschafft, aber für mich hätte er die Deadline auch verschoben. Ich habe generell mit einigen Professoren auch nach einem Kurs gesprochen, weil ich Fragen zu ihren Papern hatte. Und sie waren sehr erfreut, dass ich ihre Arbeiten gelesen habe und haben mir anschließend ihre Ansichten erklärt. Vor allem Jun.-Prof. Sommer, mein Tutor für Kooperative Fahrzeugsysteme, und Prof. Engels, mein Professor für Softwarequalitätssicherung, waren sehr freundlich zu mir!

Worauf freust du dich für deine kommende Zeit hier?

Ich freue mich darauf, Deutsch zu lernen und zu sprechen wie die Deutschen. In Indien haben wir zwischen 20 und 25 verschiedene Sprachen, denn fast jeder Staat in Indien hat eine eigene. Ich komme aus dem Süden Indiens, einem Staat namens Karnataka, und meine Muttersprache ist Kannada. Wenn man aus einem anderen Staat kommt und versucht, Kannada zu sprechen, sind wir sehr freundlich, hilfsbereit und fühlen uns der Person nah. Ich denke, so ähnlich ist es auch in Deutschland: Wenn du versuchst, Deutsch zu sprechen, bringt das deine Freundschaften auf ein ganz neues Level. Dann versteht man die Witze und Sprüche, das macht so einen Unterschied! Das ist das erste, worauf ich mich freue. Zweitens, möchte ich die Prinzipien der Computer Science verstehen und Informatikerin werden. Mein Hauptinteresse gilt hier der Automobilindustrie – welches Land eignet sich da besser als Deutschland?

Und drittens, möchte ich einfach glücklich und gesund sein!

Die Universität der Informationsgesellschaft